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Holzfäule im Baum erkennen – holzzersetzende Pilze und ihre Gefahr

Was sind holzzersetzende Pilze?

Holzfäule durch holzzersetzende Pilze spielt eine zentrale Rolle in der Natur. Die oft auch als Baumpilze bezeichneten Pilze zersetzen abgestorbenes Holz, recyceln Nährstoffe und helfen dabei, dass aus Totholz wieder fruchtbarer Boden und wertvoller Lebensraum entsteht. Besonders im Wald sind holzzersetzende Pilze deshalb kein Problem, sondern ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems. Wachsen sie jedoch an Bäumen in Städten, Parks, an Straßen oder im eigenen Garten, lohnt sich ein genauer Blick. Dann steht nicht nur die ökologische Funktion im Vordergrund, sondern auch die Frage, ob die Standfestigkeit und Bruchsicherheit des Baumes noch gegeben sind.

Holzfäule auslösende Pilze
Holzzersetzende Pilze kommen in vielen Formen und Farben vor. Alle erfüllen eine wichtige Aufgabe: Nährstoffe aus dem Holz wieder für den natürlichen Kreislauf verfügbar zu machen.

Der Aufbau eines Baumes

Wer verstehen möchte, warum holzzersetzende Pilze so eine wichtige Rolle spielen, sollte sich zunächst den Aufbau eines Baumes anschauen. Denn ein Baum besteht nicht einfach nur aus lebendem Gewebe. Ein großer Teil des Stammes erfüllt vor allem stützende Funktionen. Direkt unter der Rinde liegt das etwas weichere und meist hellere Splintholz. Dort werden Wasser und gelöste Nährstoffe transportiert. Dieser Bereich gehört zu den aktiven Zonen des Baumes. Im Inneren liegt das Kernholz. Es ist meist nicht mehr direkt am Stoffwechsel beteiligt, sorgt aber wesentlich für Festigkeit und Stabilität. Solange dieses Holz gesund ist, trägt es den Baum. Wird es jedoch von Pilzen zersetzt, verliert der Stamm nach und nach an Belastbarkeit.

Das Holz selbst ist ein erstaunlich stabiles Material und besteht vor allem aus Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Genau diese Stoffe können holzzersetzende Pilze mit speziellen Enzymen abbauen. Der Pilz arbeitet dabei im Verborgenen: Sein eigentliches Geflecht, das Myzel, breitet sich als feines Netz im Inneren des Holzes aus und durchdringt das Holz. Von außen ist davon oft lange nichts zu sehen. Erst später zeigen sich Anzeichen wie Risse, Verfärbungen, morsche oder hohle Bereiche oder Fruchtkörper am Stamm, an Ästen oder im Wurzelbereich.

Pilzbefall an Holz
Oft wird geschwächtes Holz nicht nur durch einen Pilz befallen, sondern wie hier, durch mehrere Arten.

Parasiten und saprophytische Pilze

Holzzersetzende Großpilze werden meist in zwei Gruppen beschrieben: parasitische und saprophytische Arten. Parasitische Pilze wachsen an lebenden Bäumen schwächen diese. Saprophytische Pilze dagegen besiedeln überwiegend bereits abgestorbenes Holz. Dort sind sie ein wichtiger Teil des natürlichen Abbaus und helfen dabei, organisches Material wieder in den Kreislauf zurückzuführen. In der Praxis ist diese Unterscheidung jedoch nicht immer so einfach. Einige Arten stehen gewissermaßen dazwischen: Sie besiedeln zunächst geschwächte oder verletzte lebende Bäume und entwickeln sich später im abgestorbenen Holz weiter.

Holzzersetzende Pilze
Der Prächtige Schichtpilz gehört zu den holzzersetzenden Pilzen.

Wie entsteht Holzfäule im Baum?

Damit ein holzzersetzender Pilz im Baum überhaupt erst aktiv werden kann, braucht er zuerst eine Eintrittsstelle. Oft sind das Verletzungen am Stamm, an Ästen oder im Wurzelbereich. Solche Schäden können zum Beispiel durch Astabbrüche, unsaubere oder größere Schnittwunden, Sturm, Frostrisse oder Kontakt mit Fahrzeugen und Maschinen entstehen. Wo das schützende Gewebe des Baumes unterbrochen ist, liegt das Holz offen und Pilzsporen können eindringen. Da diese Sporen eigentlich überall in der Luft vorkommen, ist das ein ganz natürlicher Vorgang. Ob sich daraus aber wirklich eine ausgeprägte Holzfäule entwickelt, ist von Fall zu Fall verschieden. Entscheidend sind unter anderem die Vitalität des Baumes, die Größe und Lage der Verletzung und die äußeren Bedingungen am Standort.

Braunfäule und Weißfäule

Nicht jede Holzfäule sieht gleich aus. Je nachdem, welcher Pilz das Holz befallen hat, werden unterschiedliche Bestandteile des Holzes abgebaut. Daraus leitet sich dann die Form der Holzfäule ab.

Bei der Braunfäule werden Zellulose und Hemizellulosen zersetzt. Das Holz verliert dadurch an Stabilität, wird trocken und brüchig und zerfällt oft in würfelartige Stücke. Bei der Weißfäule bauen die Pilze Lignin und meist auch verschiedene Zellulosebestandteile ab. Das Holz wirkt dann meist heller, oft faserig und kann weich oder schwammig werden. Welche Art von Holzfäule entsteht und wie schnell sie voranschreitet, hängt vor allem davon ab, welche Pilzart beteiligt ist und unter welchen Bedingungen sie wächst.

Holzfäule: Hier Weißfäule
Wenn das Holz durch Holzfäule hell, faserig und weich wird, handelt es sich um Weißfäule.

Holzzersetzende Pilze umfassen weit mehr Arten als die nachfolgend vorgestellten Beispiele. Zu ihnen gehören auffällige und unscheinbare Arten, solche mit eher langsamer, aber auch mit statisch besonders kritischer Wirkung. Darunter finden sich essbare, ungenießbare und auch giftige Pilze. Für die Einschätzung der Baumstabilität ist deshalb nie allein entscheidend, ob ein Pilz nutzbar ist, sondern vor allem, welche Art vorliegt, welche Fäule sie verursacht und an welcher Stelle des Baumes der Befall sitzt.

Schwefelporling – Chicken of the Woods

Ein Pilz, der selbst Nicht-Pilzmenschen oft sofort ins Auge fällt, ist der Schwefelporling (Laetiporus sulphureus). Mit seinen kräftig gelben bis orangefarbenen Fruchtkörpern, die meist in mehreren übereinander angeordneten Konsolen am Stamm oder an starken Ästen erscheinen, ist er kaum zu übersehen. Der Schwefelporling verursacht Braunfäule. Als Baumparasit wächst dieser holzzersetzende Pilz an Laubbäumen, etwa an Eiche, Weide, Robinie oder Obstbäumen. Erblickt man seine Fruchtkörper – die übrigens essbar und als „Chicken of the Woods“ bekannt sind – ist Vorsicht angebracht. Er kann über die Jahre hinweg die Standhaftigkeit des Baums starkt beeinträchtigen.

Der Schwefelporling
Der Schwefelporling wird oft auch als „Chicken of the Woods“ bezeichnet.

Hallimasch – Unsichtbarer Riese

Zu den besonders wichtigen holzzersetzenden Pilzen zählt auch der Hallimasch (Armillaria-Arten). Gemeint ist damit nicht nur eine einzige Art, sondern eine ganze Artengruppe. Für Bäume ist der Hallimasch deshalb so relevant, weil viele Vertreter sowohl als Schwächeparasiten als auch später als Zersetzer auftreten können. Die Weißfäule-Erreger nutzen also nicht nur bereits abgestorbenes Holz, sondern können auch lebende, geschwächte Bäume besiedeln und diese zu Fall bringen.

Oft beginnt der Befall im Wurzelbereich oder am Stammanlauf. Typisch für Hallimasch sind dunkle, strangartige Rhizomorphen (sehen ein bisschen aus wie alte Wurzelsysteme), mit denen sich der Pilz im oder auf dem Boden ausbreiten und neue Wirtsbäume erreichen kann.

Genau das macht diesen holzzersetzenden Pilz so problematisch: Betroffen ist häufig nicht nur das Holz, sondern auch das Wurzelsystem. Bäume verlieren dadurch an Vitalität und können im fortgeschrittenen Fall sogar absterben. Aus Sicht der Verkehrssicherheit ist das besonders kritisch, weil eine geschädigte Wurzel die Standfestigkeit eines Baumes deutlich beeinträchtigen kann.

Größter bekannter Pilz der Welt

Und noch etwas macht Hallimasch bemerkenswert: Ein Dunkler Hallimasch in Oregon in den USA gilt als eines der größten Lebewesen der Welt. Früher wurde es oft auch als größtes bekanntes Lebewesen der Erde bezeichnet. Der Holzfäule auslösende Pilz erstreckt sich über eine Fläche von ca. 9 Quadratkilometern (etwa 1.200 Fußballfelder) und ist schätzungsweise 2.400 bis 8.500 Jahre alt. Auch in Deutschland gibt es Vertreter des Dunklen Hallimaschs, die zwar nicht ganz so groß sind, aber dennoch bereits ganze Waldabschnitte besiedeln.

Holzzersetzender Pilz - Hallimasch
Der Hallimasch ist zugleich Parasit als auch Holzzersetzer.

Zunderschwamm – traditionell wichtig

Ein Pilz, der an alten Laubbäumen immer wieder auffällt, ist der Zunderschwamm (Fomes fomentarius). Seine harten, mehrjährigen Fruchtkörper sind meist grau bis graubraun und erinnern in ihrer Form oft an einen Huf. Besonders häufig wächst er an Birke und Buche, manchmal aber auch an anderen Laubbäumen. Im Holz verursacht er eine Weißfäule. Dieser holzzersetzende Prozess läuft oft langsam ab. Gerade deshalb ist der Zunderschwamm für die Baumkontrolle so interessant: Wo seine Fruchtkörper sichtbar werden, ist der eigentliche Abbau im Inneren meist längst im Gange.

Sein Name kommt nicht von ungefähr. Früher wurde aus dem Inneren des Pilzes Zunder hergestellt, also ein Material, das Funken auffangen und Glut lange halten konnte. Daher stammt auch der Name Zunderschwamm. Das bearbeitete Pilzgewebe, auch Amadou genannt, spielte früher beim Feuermachen eine wichtige Rolle. Daneben wurde es traditionell auch medizinisch genutzt, etwa für blutstillende Auflagen, und regional sogar zu einem filzartigen Material für kleine Alltagsgegenstände verarbeitet.

Der Zunderschwamm ist ein Weißfäule-Erreger
Das Aussehen des Zunderschwamms ist so vielseitig wie seine traditionelle Nutzung. Er ist ein Weißfäule-Erreger.

Riesenporling – besonders relevant am Stammfuß

Der Riesenporling (Meripilus giganteus) erscheint meist in rosettenartigen, oft dunkel nachschwärzenden Fruchtkörpern am Stammfuß. Besonders häufig wird er an Buchen gefunden. Er verursacht als Schwächeparasit Weißfäule im Wurzel- und Stammfußbereich und ist deshalb aus Sicht der Standfestigkeit besonders relevant. Das Erscheinen von Fruchtkörpern und eine sichtbare Verringerung der Baumkrone sind in der Baumkontrolle als ernst zu nehmender Hinweis und sorgt in öffentlichen Bereichen nicht selten für die Fällung des gesamten Baumes.

Ein Riesenporling am Boden
Wenn ein Riesenporling scheinbar aus dem Boden wächst, liegt darunter eine befallene Baumwurzel.

Holzfäule durch Pilzbefall: Bedeutung für die Baumstabilität

Wie stark Holzfäule-Erreger einen Baum beeinträchtigen, hängt nicht nur von der Pilzart ab, sondern auch davon, an welcher Stelle der Befall sitzt. Liegt die Zersetzung in einem Bereich, der statisch weniger stark belastet ist, kann ein Baum unter Umständen noch viele Jahre standsicher bleiben. Kritisch wird es vor allem dann, wenn tragende Zonen betroffen sind — etwa der Stammfuß, der Wurzelansatz oder stärkere Äste. Dort führt fortschreitender Holzabbau dazu, dass immer weniger tragfähiges Holz erhalten bleibt. Nimmt die tragfähige Holzstärke zu stark ab, steigt das Risiko, dass ein Baum oder einzelne Teile bei Wind, Schneelast oder auch unter Eigengewicht versagen.

Pilzfruchtkörper sind deshalb in der Baumkontrolle ein wichtiges Warnsignal aber kein automatisches Fällurteil. Sie zeigen an, dass ein Baum genauer angeschaut und beobachtet werden sollte. Am Anfang steht in der Regel eine sorgfältige Sichtkontrolle. Dabei wird nicht nur der Fruchtkörper selbst betrachtet, sondern auch, wo er sitzt, wie groß er ist, wie viele vorhanden sind. Zusätzlich achtet man auf weitere Hinweise wie Rindenveränderungen, Risse, Höhlungen, Auffälligkeiten im Wurzelbereich oder Veränderungen in der Krone. Reicht die Sichtkontrolle für eine Einschätzung nicht aus, können weiterführende Untersuchungen eingesetzt werden, zum Beispiel Bohrwiderstandsmessungen oder schalltomographische Verfahren, um innere Zersetzung besser zu erfassen.

Holzzersetzende Pilze sind wichtig für das Ökosystem

Wo Holz stirbt, beginnt in der Natur nicht einfach nur Zerfall sondern neues Leben. Holzzersetzende Pilze übernehmen dabei eine Schlüsselrolle. Sie bauen Totholz ab, lösen gebundene Nährstoffe aus dem Material und machen sie für den natürlichen Kreislauf wieder verfügbar. Was von außen wie Verfall wirkt, ist in Wirklichkeit ein stiller Umbauprozess, ohne den unsere Wälder nicht funktionieren würden. Gemeinsam mit abgestorbenem Holz schaffen diese Pilze wertvolle Lebensräume für zahlreiche Insekten, Moose, Mikroorganismen, andere Pilze und viele weitere Arten. Gerade in naturnahen Wäldern ist Totholz deshalb kein Zeichen von Unordnung, sondern ein wichtiger Bestandteil lebendiger Vielfalt.

Befall durch Holzfäule-Erreger
Holzfäule-Erreger erfüllen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Deshalb bleiben im Wald solche befallenen Bäume oft als „Habitatbäume“ stehen.

Ob ein holzzersetzender Pilz ökologisch wertvoll oder sicherheitsrelevant ist, hängt stark vom Standort des Baumes ab.

Wie unterschiedlich sich ein Pilzbefall auswirken kann, zeigen Arten wie Schwefelporling, Hallimasch und Zunderschwamm besonders gut. Mal entsteht eine spröde Braunfäule, mal eine langsam fortschreitende Weißfäule, mal ist zusätzlich das Wurzelsystem betroffen.

Im Wald ist Holzfäule ein natürlicher und notwendiger Prozess. Im öffentlichen Raum, in Parks, an Straßen oder in Gärten, kommt eine weitere Ebene hinzu: die Verkehrssicherheit. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein Pilzbefall nicht automatisch bedeutet, dass ein Baum sofort gefährlich ist. Zwischen dem ersten Anzeichen von Befall und einem tatsächlichen Sicherheitsproblem können – je nach Pilzart, Befallsort, Baumart und Vitalität – oft viele Jahre liegen. Gerade deshalb ist eine fachliche Einordnung so wichtig.

Auch in meinen Pilzkursen wird dieses Thema aufgegriffen: Dort geht es nicht nur um das Erkennen holzzersetzender Pilze, sondern auch darum, ihre Bedeutung für Natur, Baumgesundheit und Baumstabilität richtig einzuordnen.

Holzfäule-Erreger im Kursinhalt
In meinen Kursen werden auch die verschiedenen Holzfäule-Arten angesprochen.

Was ist Holzfäule im Baum?

Holzfäule entsteht, wenn holzzersetzende Pilze das Holz im Inneren eines Baumes abbauen. Dabei werden wichtige Holzbestandteile wie Zellulose und Lignin zersetzt, wodurch das Holz an Festigkeit verliert. Je nach Pilzart entstehen unterschiedliche Fäuletypen wie Braunfäule oder Weißfäule, die sich unterschiedlich auf die Stabilität eines Baumes auswirken können.

Woran erkennt man Holzfäule am Baum?

Holzfäule im Baum ist lange Zeit von außen nicht sichtbar. Typische Hinweise können Pilze am Baumstamm, Risse im Holz, Höhlungen oder abgestorbene Rindenbereiche sein. Besonders auffällig sind Fruchtkörper von Baumpilzen, die am Stamm, an Ästen oder im Wurzelbereich wachsen. Sie zeigen oft an, dass im Inneren des Holzes bereits ein Zersetzungsprozess stattfindet.

Welche Baumpilze verursachen Holzfäule?

Viele Baumpilze sind holzzersetzende Pilze und können Holzfäule verursachen. Zu den bekanntesten Arten gehören der Schwefelporling, der Hallimasch und der Zunderschwamm. Diese Pilze besiedeln häufig geschädigte oder geschwächte Bäume und bauen das Holz nach und nach ab. Dadurch kann die Stabilität des Baumes beeinträchtigt werden.

Wie kann man Baumpilze bestimmen?

Um Baumpilze zu bestimmen, achtet man vor allem auf Form, Farbe, Struktur und Standort des Fruchtkörpers. Auch der betroffene Baum sowie die Art der Holzfäule können Hinweise liefern. Viele Pilze wachsen typischerweise an bestimmten Baumarten oder verursachen charakteristische Fäuletypen wie Braunfäule oder Weißfäule.

Sind Pilze am Baumstamm gefährlich?

Pilze am Baumstamm sind nicht immer gefährlich, können aber ein Hinweis auf fortgeschrittene Holzfäule sein. Wenn holzzersetzende Pilze tragende Bereiche wie Stammfuß, Wurzelansatz oder starke Äste zersetzen, kann die Stabilität des Baumes abnehmen. Deshalb ist ein Pilzbefall am Baum oft ein Anlass für eine genauere Untersuchung im Rahmen der Baumkontrolle.

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