Der Frühling kommt oft nicht mit einem großen Knall, sondern in kleinen, leisen Schritten. Erst werden die Tage länger, dann wärmer und plötzlich zeigt sich überall neues Leben in der Natur. Wer jetzt aufmerksam durch Wald, Wiesen oder entlang von Hecken spaziert, kann beobachten, wie viele Sträucher und Bäume langsam aus dem Winterschlaf erwachen. Besonders der Holunder im Frühling fällt dabei auf, denn er treibt oft früher aus als viele andere Sträucher.

Wer Holunder im Frühling bewusst wahrnimmt, entdeckt ihn schnell an typischen Standorten entlang von Wegen, Waldrändern oder Feldhecken. Denn der Holunder mag es sonnig bis halbschattig und am Liebsten auf nährstoffreichen und humoses feuchten Böden. Da er aber recht tolerant ist, wächst er auch bei weniger optimalen Bedingungen.
Doch so vertraut der Holunder vielen Menschen erscheint, gibt es eine wichtige Sache zu wissen: Der Holunder ist in allen Teilen giftig. Allein die Blütenstände und die reifen Früchte sind essbar. Genau solche Pflanzen und ihre sichere Bestimmung schauen wir uns auch bei meiner Kräuterwanderung im Odenwald genauer an, bei der du lernst, Wildpflanzen im Frühling sicher zu erkennen und zu bestimmen.
Eine traditionsreiche Wildpflanze
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) gehört zu den bekanntesten Wildsträuchern Mitteleuropas. Seit Jahrhunderten begleitet er den Menschen in der Küche, in der Naturheilkunde und auch im Volksglauben.
Er wächst häufig an:
- Waldrändern
- Feldwegen
- Hecken
- Böschungen
- Gärten und Siedlungsrändern
Der Holunder ist ein sehr anpassungsfähiger Strauch und findet sich daher in vielen Landschaften – auch hier bei uns im Odenwald und an der Bergstraße.

Ist Holunder giftig oder essbar? Was du über rohe Holunderbeeren, Blätter und Rinde wissen solltest
Was viele Menschen überrascht ist, dass der Holunder giftig sein soll.
Viele kennen den Holunder als traditionsreiche Wildpflanze für Sirup, Gelee oder Saft. Doch ein wichtiger Hinweis gehört unbedingt dazu: Holunder ist nicht in allen Pflanzenteilen roh genießbar. Vor allem die jungen Blätter, die Rinde und die unreifen Beeren enthalten natürliche Giftstoffe, insbesondere das cyanogene Glykosid Sambunigrin. Daraus kann im Körper Blausäure freigesetzt werden, was zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall führen kann.
Darum gilt beim Schwarzen Holunder: Unreife Beeren und andere rohe Pflanzenteile sollten nicht gegessen werden. Auch die reifen dunklen Beeren werden traditionell nicht roh verzehrt, sondern erst verarbeitet. Das ist die gute Nachricht: Durch gründliches Erhitzen werden Sambunigrin und andere unverträgliche Stoffe weitgehend zerstört. Genau deshalb werden Holunderblüten und Holunderbeeren seit jeher zu Holunderblütensirup, Saft, Mus oder Gelee verarbeitet und gerade so zu dem, was den Holunder in der Wildpflanzenküche so wertvoll macht.
Holunder im Frühling – der Duft des Frühsommers
Wenn der Frühling langsam in den Frühsommer übergeht, beginnt eine besonders schöne Zeit für den Holunder. Dann öffnen sich die großen, cremeweißen Blütendolden, die einen intensiven und süßlichen Duft verströmen.
Die Holunderblüte ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Natur, sondern auch aus der Küche kaum wegzudenken.
Aus den Blüten entstehen viele beliebte Produkte, zum Beispiel:
- Holunderblütensirup
- Holunderblütenlimonade
- Holunderblütengelee
- Holundersekt
- ausgebackene Holunderblüten
Gerade Holunderblütensirup gehört für viele Menschen zum Geschmack des Frühsommers und ist ein wichtiger Bestandteil von Erfrischungsgetränken wie Limonaden oder auch dem Kultgetränk Hugo.
Für die Herstellung von Holunderblütensirup werden die Blüten sowie Zitronen- und Orangenscheiben meist mit heißem Wasser und dem darin aufgelösten Zucker übergossen und einige Zeit ziehen gelassen, bevor der Sirup abgesiebt und nach erneutem Aufkochen abgefüllt wird.

Nachdem wir vieles mit dem Holunder im Frühling machen können, geht es im Jahresverlauf weiter. Natürlich ist hier auch die Wichtigkeit als Tankstelle für die Insekten zu betonen. Außerdem dürfen wir nicht vergessen: wenn wir die Blüten des Holunders im Frühling ernten verringern wir den Fruchtstand im Spätsommer.
Holunderbeeren im Spätsommer
Nach der Blüte entwickeln sich aus den Blütenständen die bekannten Holunderbeeren. Sie reifen meist zwischen August und September und färben sich dann tiefviolett bis schwarz.
Auch hier gilt wieder: Die Beeren sollten niemals in größeren Mengen roh gegessen werden. Erst durch Kochen werden die giftigen Bestandteile zerstört.
Traditionell werden Holunderbeeren verarbeitet zu:
- Holundersaft
- Holundergelee
- Holundermus
- Holundersuppe
Holunderbeeren enthalten außerdem viele wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamin C und Antioxidantien und wurden früher häufig als Hausmittel bei Erkältungen verwendet.
Pilzbefall beim Holunder
Wer im Winter einen alten Holunder im Garten oder am Wegesrand genauer anschaut, entdeckt mit etwas Glück einen ganz besonderen Pilz: das Judasohr. Mit seiner weich-gallertigen, ohrförmigen Gestalt wirkt es fast ein wenig surreal und doch gehört es ganz natürlich zum Lebensraum Holunder dazu. Der Holunder ist zwar nicht das einzige Substrat, an dem das Judasohr wächst, aber mit Abstand das häufigste.
Der beliebte Speisepilz (in der asiatischen Küche auch als Mu-Err bekannt) wächst vor allem an älteren, geschwächten oder bereits abgestorbenen Ästen. Ökologisch ist das Judasohr vor allem ein Saprobiont: Es baut abgestorbenes Holz ab und ist damit Teil des natürlichen Recyclingprozesses im Garten und in der Landschaft. An geschwächtem lebendem Holz kann es aber auch als Schwächeparasit auftreten.
Für den Holunder ist sein Auftreten deshalb meist kein plötzliches Problem, sondern eher ein Hinweis darauf, dass einzelne Äste bereits vorgeschädigt oder am Absterben sind. Das Schöne daran: Das Judasohr auf Holunder zeigt, wie viel Leben selbst in altem oder totem Holz steckt.
Der Holunder im Volksglauben
Der Holunder war nicht nur eine Nutzpflanze, sondern spielte auch im Volksglauben eine besondere Rolle. Über viele Jahrhunderte galt er als Schutzbaum des Hauses. In vielen Regionen wurde ein Holunderstrauch bewusst in der Nähe von Häusern gepflanzt, weil man glaubte, er könne das Haus und seine Bewohner schützen.
Im germanischen Glauben war der Holunder sogar der Göttin Frau Holle geweiht. Deshalb galt es lange Zeit als respektlos oder sogar gefährlich, einen Holunderstrauch ohne Grund zu fällen.

Wildpflanzen sicher bestimmen
Auch wenn der Holunder relativ gut zu erkennen ist, zeigt er sehr deutlich, wie wichtig es ist, Wildpflanzen sicher bestimmen zu können.
Viele Pflanzen besitzen:
- essbare Pflanzenteile
- gleichzeitig aber auch giftige Teile
- oder giftige Doppelgänger
Gerade für Anfänger kann es deshalb schwierig sein, Pflanzen zuverlässig zu bestimmen.
In meinen Wildpflanzen-Anfängerkursen schauen wir uns deshalb typische Wildpflanzen ganz genau an. Gemeinsam lernen wir, auf welche Merkmale man achten muss, um Pflanzen sicher zu erkennen.
Dabei geht es unter anderem um:
- wichtige Bestimmungsmerkmale
- mögliche Verwechslungspartner
- essbare und giftige Pflanzenteile
- traditionelle Nutzungsmöglichkeiten
Wildpflanzen im Odenwald entdecken
Unsere Region rund um den Odenwald und die Bergstraße ist besonders reich an Wildpflanzen. Gerade im Frühling lässt sich hier eine beeindruckende Vielfalt entdecken.
Zu den typischen Pflanzen dieser Jahreszeit gehören zum Beispiel:
- Brennnessel
- Giersch
- Vogelmiere
- Labkräuter
- Bärlauch
- und natürlich auch der Holunder
Während eines Wildpflanzenkurses entdecken wir diese Pflanzen direkt draußen in der Natur. Dabei geht es nicht nur um theoretisches Wissen, sondern vor allem um das praktische Erleben der Pflanzenwelt.

Wildpflanzen – Anfängerkurse im Frühling
Wenn du dich für Wildpflanzen interessierst und lernen möchtest, Pflanzen sicher zu bestimmen, dann sind meine Wildpflanzen-Anfängerkurse ein idealer Einstieg.
Gemeinsam gehen wir durch die Natur und lernen Schritt für Schritt, die Pflanzen unserer Umgebung besser zu verstehen.
Aktuell sind noch Plätze frei für folgende Termine:
🌱 22. März
🌱 28. März
🌱 18. April
Alle Informationen auch zu weiteren Wildpflanzen- und Kräuterkursen sowie die Möglichkeit zur Buchung findest du hier:
👉 https://natur-rockt.de/kraeuterwanderung-odenwald/
Frühling bewusst erleben
Der Frühling ist eine wunderbare Zeit, um die Natur wieder mit offenen Augen zu entdecken. Viele Pflanzen, die uns im Alltag kaum auffallen, zeigen jetzt ihre ersten zarten Triebe.
Der Holunder im Frühling ist nur ein Beispiel dafür, wie faszinierend die Pflanzenwelt sein kann. Mit etwas Wissen und Aufmerksamkeit lässt sich eine völlig neue Perspektive auf die Natur entwickeln.
Vielleicht hast du ja Lust, die Pflanzenwelt gemeinsam zu entdecken.
Wo wächst Holunder besonders häufig?
Holunder wächst häufig an Waldrändern, Hecken, Feldwegen und in der Nähe von Siedlungen. Die Wildpflanze bevorzugt nährstoffreiche Böden sowie sonnige bis halbschattige Standorte. Gerade im Odenwald und im Ried findet der Holunder sehr gute Bedingungen und ist deshalb in vielen Regionen verbreitet. Auch rund um Lorsch, Bensheim, Heppenheim, Lindenfels und im Lautertal lässt sich Holunder im Frühling besonders häufig entdecken. Wer im Frühling aufmerksam durch die Landschaft geht, kann den Holunder gut erkennen – vor allem an den frischen grünen Blättern, die früh im Jahr austreiben, und an den typischen Sträuchern entlang von Wegen, Hecken und Waldrändern.
Wie alt kann ein Holunderstrauch werden?
Holunder kann erstaunlich alt werden. Viele Holundersträucher erreichen ein Alter von etwa 40 bis 60 Jahren, in seltenen Fällen sogar noch mehr. Besonders gut lässt sich ein älterer Holunder im Frühling erkennen, wenn der Strauch neu austreibt. Dann werden typische Merkmale wie die graubraune, oft rissige Rinde sowie kräftige ältere Äste sichtbar. Gleichzeitig erscheinen die frischen jungen Triebe und Blätter, wodurch sich ältere und jüngere Pflanzenteile gut unterscheiden lassen. Der Holunder gehört damit zu den langlebigen Wildpflanzen, die über viele Jahrzehnte Teil unserer Kulturlandschaft bleiben können.
Wann sollte man Holunderblüten sammeln?
Die beste Zeit zum Sammeln von Holunderblüten ist meist zwischen Mai und Juni. In dieser Zeit steht der Holunder im Frühling in voller Blüte und die weißen Blütendolden sind besonders aromatisch. Ideal sind sonnige Tage, wenn die Blüten vollständig geöffnet sind und intensiv duften – dann eignen sie sich besonders gut zur Verarbeitung, zum Beispiel für Holunderblütensirup oder andere traditionelle Holunderrezepte.
Warum wächst Holunder oft in der Nähe von Häusern?
Holunder wurde früher bewusst in Hausnähe gepflanzt. Man nutzte ihn als Heilpflanze und glaubte gleichzeitig, dass er Haus und Hof schützen könne.
Woran erkennt man einen Holunderstrauch im Winter?
Auch im Winter lässt sich Holunder gut erkennen. Wer Holunder im Frühling oder zu anderen Jahreszeiten bestimmen möchte, kann auf typische Merkmale achten: die graubraune Rinde, die gegenständig angeordneten Zweige und das weiche, helle Mark im Inneren. Diese Merkmale helfen dabei, die Wildpflanze Holunder sicher zu erkennen und von anderen Sträuchern zu unterscheiden.